Stillen & Ernährung

Die häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei Kindern

Die häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei Kindern

Nahrungsmittelunverträglichkeiten kommen bei Kindern häufig vor

Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit werden bestimmte Lebensmittel vom Körper nicht gut vertragen, woraufhin der Körper mit unterschiedlichen Symptomen wie Bauchschmerzen oder Übelkeit reagiert. Rund 6% aller Kinder leiden an Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Eine Unverträglichkeit muss nicht immer allergisch bedingt sein, sondern kann auch zu den nicht-allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten zählen, wie beispielsweise die Lactoseintoleranz oder die Fructosemalabsorption. Bei beiden handelt es sich um eine Enzymschwäche, bei der der Körper nicht in der Lage ist, bestimmte Zucker aufzuspalten. Infolgedessen kommt es zu Verdauungsbeschwerden und Symptomen wie Übelkeit oder Blähungen. 

Die häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Lactoseintoleranz: 

Bei einer Lactoseintoleranz kann das Enzym Laktase nicht ausreichend vom Körper gebildet werden. Der Milchzucker (Lactose) aus der Nahrung kann daraufhin nicht aufgespalten werden und der Darm kann den Milchzucker nicht weiterverarbeiten. Der unverdaute Milchzucker dringt in tiefere Schichten des Dickdarmes, wo es durch Vergärung zu Gasen kommt, die typische Symptome wie Bauchschmerzen oder Blähungen hervorrufen. Eine Lactoseintoleranz tritt meistens erst im Jugendalter auf, kann aber in seltenen Fällen auch schon im Vorschulalter oder früher auftreten. Im Schnitt leiden rund 15% aller Europäer an einer Milchzuckerunverträglichkeit.

Eine Lactoseintoleranz kann mittels eines H2-Atemtests ermittelt werden. Fehlt das Enzym Lactase, bildet sich nach dem Abbau von Lactose im Dickdarm Wasserstoff. Dieser gelangt anschließend ins Blut und in die Lunge, woraufhin dies in der Atemluft gemessen werden kann.

Die Lactoseintoleranz ist abzugrenzen von der Milchallergie. Bei letzterer kommt es zu allergischen Reaktionen bis zu 48 Stunden nach dem Verzehr von Kuhmilch und sie tritt, im Gegensatz zur Milchzuckerunverträglichkeit, meist schon im Baby- oder Kleinkindalter auf. Wer an einer Lactoseintoleranz leidet, hat nicht automatisch eine Milchallergie und umgekehrt. 

Betroffene sollten Produkte mit Lactose so gut es geht meiden. Mittlerweile gibt es im Handel viele Milchprodukte, die von Lactose befreit wurden und somit verträglich für Menschen mit Lactoseunverträglichkeit sind. Auch in lang gereiftem Käse wie Hartkäse oder Gouda ist in der Regel relativ wenig Lactose enthalten. 

Fructosemalabsorption: Bei einer Fructosemalabsorption handelt es sich um eine Fruchtzuckerunverträglichkeit. Bei Betroffenen kann nur eine begrenzte Menge Fruchtzucker im Dünndarm aufgenommen werden. Der Zucker, der nicht verwertet wird, gelangt in den Dickdarm, wo Bakterien diesen vergären. Die dabei entstehenden Stoffwechselprodukte können zu den typischen Symptomen wie Bauchschmerzen, Durchfall oder Blähungen führen. Man geht davon aus, dass etwa jeder dritte Mensch an einer Fruchtzuckerunverträglichkeit leidet. 

Besteht der Verdacht auf eine Fructoseunverträglichkeit, sollten Lebensmittel mit einem hohen Fruchtzuckeranteil zunächst für drei bis vier Wochen gemieden werden, um einen Zusammenhang zu erkennen. Treten in dieser Zeit keine Beschwerden auf, liegt es nahe, dass eine Unverträglichkeit gegen Fruchtzucker besteht. Bei einem Arzt / einer Ärztin besteht zudem die Möglichkeit, einen Atemtest zu machen, der eindeutige Ergebnisse liefern kann.

Liegt eine Unverträglichkeit vor, sollte die Ernährung so umgestellt werden, dass nur geringe Mengen an Fruchtzucker gegessen werden. Fruchtzucker ist vor allem in Obst, Süßigkeiten und Getränken (vor allem Fruchtsäfte) enthalten. Leidet man an einer Fructoseintoleranz, muss aber nicht komplett auf Obst verzichtet werden. Obst mit einem hohen Fruchtzuckergehalt wie z.B. Apfel, Weintrauben, Kiwi, Wassermelone und Aprikose sollten nicht oder nur in kleinen Mengen gegessen werden. Fructosearme Obstsorten wie Beeren (z.B. Heidelbeeren, Erdbeeren, Himbeeren), Clementinen, Papaya, Limetten und Grapefruit sollten stattdessen auf dem Speiseplan stehen. Auf Fruchtsäfte sollte besser ganz verzichtet werden, da diese den Darm schnell überlasten können. 

Jedes Kind hat eine individuelle Verträglichkeitsgrenze. Nach der Karenzzeit von drei bis vier Wochen kann langsam wieder mit kleinen Mengen fructosehaltiger Obstsorten ausgetestet werden, was Dein Kind gut oder eher schlecht verträgt.

Zöliakie:

Etwa eine von 100 Personen leidet an einer Zöliakie. Dabei handelt es sich um eine Systemerkrankung, die verschiedene Organe betreffen kann. Bei einer Zöliakie besteht eine autoimmune Reaktion gegen das Klebereiweiß Gluten, welches in vielen Getreidesorten (Dinkel, Roggen, Gerste, Weizen etc.) vorkommt. 

Bei Betroffenen ist der Darm chronisch entzündet und es kommt als Folge zu entzündlich bedingten Schäden der Schleimhäute und dem Abbau der sogenannten Darmzotten. Dies führt dazu, dass Nährstoffe, Mineralstoffe und Vitamine nur noch in geringen Mengen vom Körper aufgenommen werden können. Schon kleinste Mengen an Gluten reichen aus, um Symptome wie Magenschmerzen, Erbrechen, Durchfall oder Abgeschlagenheit hervorzurufen. Bei Kindern zeigt sich die Erkrankung zunächst durch Müdigkeit, Abgeschlagenheit und schlechte Laune. Viele betroffene Kinder bleiben in der Entwicklung und im Wachstum zurück und haben meist ein altersentsprechend zu niedriges Gewicht. 

Bei einer Zöliakie spielen erbliche Faktoren eine Rolle. Besteht die Erkrankung in der Familie, besteht ein 10fach- höheres Risiko, daran zu erkranken als die Normalbevölkerung. Kinder sind am häufigsten zwischen dem ersten und achten Jahr davon betroffen, bei Erwachsenen zeigt sich die Zöliakie meist zwischen dem 20. Und 50. Lebensjahr.

Bei einem Verdacht auf eine Zöliakie sollte schnellstmöglich ein Arzt / eine Ärztin aufgesucht werden, da es bei Fortschreiten der Krankheit zu Mangelerscheinungen im Körper kommen kann, die vor allem im kindlichen Entwicklungsprozess Schaden anrichten können.

Mittels eines Bluttests und/ oder Darmbiopsie kann die Diagnose gestellt werden. Diagnostisch muss zudem eine Weizenallergie ausgeschlossen werden. Betroffene Kinder müssen penibel darauf achten, keine glutenhaltigen Produkte zu sich zu nehmen und dies lebenslang. Auf dem Markt gibt es allerdings eine große Palette an glutenfreien Ersatzprodukten wie Brot, Paniermehl Nudeln und Co., auf die betroffene Kinder ausweichen können. Erfolgt eine konsequent glutenfreie Ernährung, ist eine normale und gesunde Entwicklung möglich.

Dein Kind bekommt Symptome nach dem Verzehr von Eiern, Nüssen oder Fisch? Dann handelt es sich wahrscheinlich um eine Lebensmittelallergie. Weitere Informationen kannst Du in unserem Artikel Lebensmittelallergien bei Babys und Kleinkindern: Wogegen ist mein Kind allergisch? nachlesen.

Referenzen:

Deutsche Zöliakie Gesellschaft. Was ist Zöliakie? [zuletzt zitiert am 26.10.2023]

Kinderärzte im Netz. Ratgeber Ernährung bei Fruchtzuckerunverträlichkeit. [zuletzt zitiert am 25.10.2023]

Kinderärzte im Netz. Zöliakie. [zuletzt zitiert am 26.10.2023]

Sieber R, Stransky M, de Vrese M. Laktoseintoleranz und Verzehr von Milch und Milchprodukten. Zeitschrift für Ernährungswissenschaft 36; 375-393. 1997

Weiterlesen

Ausflug mit Baby: Sicher draußen in der Natur spielen
Säuglingsbotulismus: Wieso Honig für Babys gefährlich werden kann

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website ist durch reCAPTCHA geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von Google.